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Mt. Everest Expedition, Basislager - ABC

Seite heute befinden sich die meisten Teilnehmer beider Gruppen im ABC. Der Weg hinauf auf 6300 m war eindrücklich, aber auch recht beschwerlich. Grosse Leistungsunterschiede zwischen der "Nordcol"-Gruppe und den Gipfelaspiranten gab es dabei nicht zu beobachten. Die zunehmend dünnere Luft macht uns allen zu schaffen, den einen mehr und den anderen weniger. Und selbst der stärkste Bergsteiger ist nicht von gesundheitlichen Rückschlägen gefeit, wie Juri letzte Nacht leidvoll erfahren musste.
Kari hatte sich sicher etwas dabei gedacht, das ABC so hoch wie möglich anzulegen. Als wir die ersten Zelte sahen, dachten wir schon, bald da zu sein. Aber immer noch war eine weitere Moräne zu überwinden, bis wir schliesslich unser Lager erreichten. Dafür hatten die Sherpas wieder ganze Arbeit geleistet. Tonnen von Geröll und Schutt waren bewegt worden, um gute Plattformen für unsere Zelte zu schaffen und unser luxuriöses Mannschaftszelt aufzustellen. Wenn Reinhold Messner jemals plant, noch einmal auf den Mount Everest zu steigen, sollte er sich Kari Kobler anvertrauen. Schliesslich wird Reinhold ja auch nicht jünger, und auch er verdient es, wenn es ihm einmal leicht gemacht wird.
Die Unterscheidung zwischen einer Besteigung des Everest mit oder ohne Sauerstoff ist eine Sache. Genauso wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen einer Besteigung mit Sherpa-Unterstützung und ohne. So war Jannette sicher dankbar dafür, dass ihr unser Sherpa Norbu auf halber Strecke entgegen kam und ihr den Rucksack abnahm. So kam sie weniger erschöpft im ABC an und kann weiter hoffen, den Nordcol zu erreichen. Ohne die Unterstützung der Sherpa wäre das ABC ein fürchterlicher Ort. Wenn wir selber Schnee schmelzen und kochen müssten, könnten wir uns hier überhaupt nicht erholen und hätten kaum eine realistische Gipfelchance. Dazu ist der Gipfel einfach zu hoch und zu weit vom Basecamp entfernt. Vor meiner Abreise zum Mount Everest hörte ich jemanden sagen, dass der Everest heutzutage ja eigentlich ein Spaziergang ist, weil es weiter oben Fixseile und sogar eine Leiter gibt. Dieser jemand (oder besser niemand) unterschätzt völlig, die enormen Entfernungen, die es in dieser Höhe zu überwinden gilt. Vom Basecamp zum ABC sind es etwa 25 km, und das alles auf einer Höhe von mehr als 5000 m. Einen gemütlichen Spaziergang stellt man sich anders vor. Und vom ABC kann man nicht einmal den Gipfel sehen ....
Jetzt heisst es erst einmal gesund zu bleiben und sich weiter zu akklimatisieren. Nordcol und Gipfel sind noch weit entfernt, und das Wetter scheint für die nächsten Tage gar nicht so schlecht zu werden. Kari wird schon wissen, wann der richtige Zeitpunkt zum Weitergehen gekommen ist. Auch bei den Sherpas geniesst er höchste Achtung und Anerkennung. Gestern abend hörte ich Norbu zu einem anderen Sherpa sagen, ob der bereits das "heilige Wasser von Charly" geholt habe. Er meinte damit, ob er bereits Karis Pinkelflasche geleert hat. Viele Annehmlichkeiten teilt Kari mit uns, aber einige behält er eben auch für sich.

Bericht + Fotos: Reinhard



Mt. Everest Nord Expedition 2010
Jaks im Aufstieg zum ABC


Mt. Everest Nord Expedition 2010
Der Mount Everest kurz nach dem Basecamp


Mt. Everest Nord Expedition 2010
Indermediate Camp (5600 m)


Mt. Everest Nord Expedition 2010
Mount Everest mit Dame