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Dhaulagiri - Sturmnacht auf Camp 2, 6650 m

Nach einigen erholsamen Tagen im Base Camp und der Stabilisierung der Lawinensituation nach dem enormen Neuschnee der letzten Tage war es am Donnerstag, 6. Mai 2010 wieder an der Zeit einen Fuss an den Berg zu setzen.

Leider musste uns in der Zwischenzeit der sympathische Zahnarzt Schorsch aus Bayern verlassen. Er hatte sich beim schnellen Abstieg vom Camp 1 zweimal so unglücklich das Knie verdreht, dass ein weiterer Aufstieg am Berg nicht mehr möglich war.

Wieder hiess es am Donnerstagmorgen in aller Frühe aufzusteigen Richtung Camp 1. Nur durch die gesamte Teamleistung war es möglich durch den zum Teil knietiefen Schnee eine Spur zu ziehen. Mit Hilfe von GPS Navigation und durch die vereinzelten Markierungsfähnchen konnte die optimale Route zum Camp 1 gefunden werden. Doch welche Überraschung bei der Ankunft! 3 der 6 Zelte waren durch die enorme Schneelast total zerstört. Nun hiess es zusammenrücken und Anstelle von 2 Personen mussten die Zelte jetzt von 3 Personen belegt werden. Durch das weiterhin schlechte Wetter mussten wir eine weitere Nacht im Camp 1 verbringen. Den Freitag nutzten wir jedoch für Spurarbeiten Richtung Camp 2, damit wir am nächsten Tag einen etwas angenehmeren Start hatten.


Dhaulagiri Expedition 2010
Spurarbeit im Aufstieg zum Camp 1


Dhaulagiri Expedition 2010
Zelt im Camp 2 nach der Sturmnacht vom 8./9. Mai 2010, von Schnee eingeblasen.


Der Aufstieg zum Camp 2 am Samstag, 8. Mai 2010 war dann für jeden nochmals eine grosse Herausforderung. Spurarbeit wurde von jedem verlangt, war doch der in den tiefen Schnee getretene Pfad nach kurzer Zeit bereits durch den starken Wind wieder von Schnee zugeweht. Angekommen im Camp 2 auf 6650 m mussten die zerstörten Zelte neu aufgebaut werden. Zuerst jedoch war anstrengendes Schaufeln von Plattformen nötig, was nun jeden ins Schnaufen brachte und uns die Höhe von 6650 m spüren liess. Nach 2 Stunden konnten dann im steilen Schneehang der Dhaulagiri Ostseite 4 Zelte bezogen und eine verdiente Ruhepause angetreten werden.


Dhaulagiri Expedition 2010
Zeltaufbau in der steilen Schneeflanke der Dhaulagiri Ostseite


Die Ruhe war jedoch von kurzer Dauer, verstärkte sich doch der Wind von Stunde zu Stunde und über die Nacht wütete ein richtiger Sturm im Camp 2. An Schlaf war dabei kaum zu denken, der Schnee verfrachtete sich enorm und die Zeltbehausung wurde mehr und mehr zu einer Höhle, eingepackt von Schneemassen.
Die Stunden vergingen in Zeitlupe und um 4 Uhr beim Sonnenaufgang war ein Verlassen des Zeltes nur noch mit Hilfe von Aussen möglich. Der Kopf brummte, Durst und Hunger machte sich bemerkbar. Abhilfe war nur durch den sofortigen Abstieg möglich. Die Zelte wurden so rasch als möglich abgebaut und gegen Sonntagmittag waren alle müde und zufrieden wieder im Base Camp versammelt.


Dhaulagiri Expedition 2010
Abstieg vom Camp 2 bei Sonnenschein und Sturmwind



Nun haben sämtliche Teilnehmer einen Nacht im Camp 2 und mehrere Nächte im Camp 1 verbracht. Die Zelte sind bis ins Camp 3 deponiert, die Fixseile verlegt und alles ist bereit für die Gipfelbesteigung.

Doch lassen das Wetter und die Verhältnisse am Berg eine Besteigung zu, ist der Dhaulagiri bereit für uns?

Heute und morgen Dienstag gilt es die Taktik für die Besteigung festzulegen, die Wetterinformationen auszuwerten und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Auf jeden Fall benötigen wir für eine erfolgreiche Besteigung viel Glück, drückt uns die Daumen, damit wir Ende Woche den Gipfel des Dhaulagiri besteigen und wieder sicher ins Base Camp absteigen können.

Wir hier im Base Camp sind top motiviert und freuen uns auf die Besteigung.


Aus dem Dhaulagiri Base Camp 4650m grüsst

Richard Bolt, Expeditionsleiter und Bergführer UIAGM


Dhaulagiri Expedition 2010
Der Schreibende im Zelt auf Camp 1, zuversichtlich und motiviert